Staatliche Realschule Bad Kissingen

Terminhinweis:




 

Herzliche Einladung zum Weihnachtskonzert am Dienstag, 11
.12. um 18:00 Uhr in der Aula.

 

Erinnerungen an den Bruderkrieg 1866 in Bad Kissingen

Geschichte vor der eigenen Haustüre erlebte die Klasse 9d am letzten Schultag vor den Herbstferien. Nur wenige Gehminuten von der Realschule entfernt hatten sich sich am 10. Juli 1866 bayerische Soldaten verschanzt, um den Vormarsch des preußischen Militärs zu stoppen. Über den Verlauf dieser Schlacht, über Einzelschicksale wie z. B. des "tapferen Bayern" und über viele interessante Details referierte der pensionierte Berufsschullehrer Herr Wulz, der ein wahrer Experte des deutsch-deutschen Krieges ist.

Obwohl der Krieg nach der Entscheidungsschlacht in Königgrätz bereits entschieden war, standen sich eine Woche später in Bad Kissingen österreichisch-bayerische und preußische Truppen gegenüber. Bayern war Verbündeter Österreichs und so sollte auch Bad Kissingen Schauplatz des sogenannten Bruderkriegs werden. Die Bürger hatten ursprünglich gehofft, dass Bad Kissingen aufgrund des damals schon weit bekannten Rufes als bedeutende Kurstadt verschont geblieben werde - vergeblich. Über die Saale kommend drangen die preußischen Truppen vor und nachdem die erste Schlacht im Kurgarten geschlagen war, sollte ein Regiment, das sich im Kapellenfriedhof verschanzt hatte, das preußische Militär stoppen und ein Weitermarsch nach Nüdlingen verhindern.

 

Viele Gräber auf dem Kapellenfriedhof zeugen noch heute von dieser Schlacht. In einigen sind Bayern und Preußen gemeinsam und anonym begraben, andere Gräber geben Aufschluss auf Herkunft, Alter und militärischen Rang der gefallenen Soldaten. Einigen bekannt ist vielleicht das Grab des bayerischen Soldaten, der im Kurgarten Stellung hielt und sich von den Preußen lieber erschießen ließ als von ihnen das "Pardon" anzunehmen. Diesem widmeten die Preußen ein Grab des "tapferen Bayern".

 

Mit der Niederlage der süddeutschen Truppen schied Österreich aus dem Deutschen Bund aus, der anschließend aufgelöst wurde. Bismarck hatte sein erstes Ziel, die Vormachtstellung Preußens und ein Zurückdrängen Österreichs, erreicht. Wenige Jahre später kämpften dann Bayern und Preußen gemeinsam gegen Frankreich im Krieg 1870/71. Die Reichseinigung machte Bismarck landesweit zum populärsten Politiker des Deutschen Reiches, wovon noch heute Denkmäler auch in Bad Kissingen zeugen (Statue am Gradierbau, Bismarckturm am Sinnberg). Schnell vergessen waren die Schrecken, die Bismarcks Truppen in Bad Kissingen verbreitet hatten.

 

Krieg galt Ende des 19. Jh. in weiten Teilen der Gesellschaft als legitimes Mittel einer kompromisslosen Politik, der Einsatz und Tod für das Vaterland als ehrenvolle Aufgabe. Was Krieg für die Soldaten wirklich bedeutet(e), zeigte Herr Wulz mit deformierten Gewehrkugeln, scharfkantigen Granatsplittern und vielen Bildern und Schilderungen sehr eindrucksvoll auf. So beendete er, der den 2. Weltkrieg noch miterlebt hatte, die 90minütige Führung mit dem Wunsch und der Hoffnung, dass die Schüler keine Kriegserfahrungen machen müssen.



J. Schwerteck

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